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Der Schriftsteller und Journalist Hugo Bettauer wurde während eines Sommeraufenthaltes seiner Eltern am 18. August 1872 in Baden geboren. Bettauer besucht zunächst das Stubenbastei-Gymnasium in der Wiener Inneren Stadt. In den 90er Jahren gelangt der in seinen 20ern mit dem Journalismus in Berührung Gekommene nach New York, wo er unter anderem für deutschsprachige Zeitungen des Hearst-Konzerns schreibt. Um oder kurz nach der Jahrhundertwende übersiedelt Bettauer aber nach Berlin, wo er durch die Thematisierung der Bestechlichkeit der preußischen Polizei und Beamten Aufsehen erregt. Nachdem er die Korruption des Direktors des Berliner Hoftheaters aufdeckt und dieser Selbstmord begeht, ist Bettauer gezwungen Preußen zu verlassen. Nach einer Zwischenstation in Hamburg kehrt er 1904 zunächst nach New York zurück, ehe er sich 1910 als amerikanischer Staatsbürger wieder in Wien niederlässt. In den Jahren 1914 bis 1918 ist er hier als Redakteur der „Neuen Freien Presse“ tätig. 1919 schließlich erscheint Bettauers erster Roman, „Faustrecht“ in Buchform. 1922 sein wohl bekanntestes Werk „Die Stadt ohne Juden“, in dem sich der Autor mit dem herrschenden Antisemetismus auseinandersetzt. Der in verschiedene Sprachen übersetzte Roman wird schließlich auch verfilmt. |
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Im Februar 1924 erscheint erstmals Bettauers „Er & Sie. Wochenschrift für Lebenskultur und Erotik“. Bettauer will mit dieser neuen Zeitschrift "die Beziehungen (...) zwischen Mann und Weib aus dem Sumpf einer verlogenen Pseudomoral zur sittlichen, freien Höhe emporheben." In seinen Leitartikeln nimmt er zu heiklen Fragen wie etwa der Änderung der Abtreibungsbestimmungen, gleichgeschlechtlichen Beziehungen, Schutz des unehelichen Kindes oder zum Mieterschutz Stellung. Nach fünf Ausgaben muss die Publikation der Zeitschrift schließlich eingestellt werden und Bettauer wird wegen Vergehens gegen die öffentliche Sittlichkeit, Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung und – wegen in der Zeitschrift erschienen Kontaktannoncen - auch gewerbsmäßiger Kuppelei angeklagt. Die Causa Bettauer schlägt vor allem auch politischen Wirbel: Im Wiener Gemeinderat vom 21. März 1921 kommt es zu einem regelrechten Tumult zwischen Christlichsozialen und Sozialdemokraten. Auch Bundeskanzler Seipel nimmt zum „Fall Bettauer“ öffentlich Stellung. Im September wird Bettauer schließlich von allen Anklagepunkten freigesprochen, doch ertönen immer wieder Stimmen die aufrufen an Bettauer Lynchjustiz zu üben. Die regelrechte und vor allem heftig antisemitisch geführte Hetze in der Bettauer zum jüdischen Sittenverderber hochstilisiert wird flaut nicht ab.
Schließlich wird Hugo Bettauer am 10. Mai 1925 in der Redaktion seiner neuen Zeitschrift „Bettauers Wochenschrift. Probleme des Lebens“ in der Wiener Lange Gasse 5-7 vom Nationalsozialisten Otto Rothstock durch mehrere Schüsse schwerst verletzt. Er erliegt seinen Schussverletzungen am 26. März 1925 im Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Christlichsoziale und deutschnationale Zeitungen rechtfertigen die „Befreiungstat“ des „braven, häuslichen, sparsamen und sittenreinen Attentäters“, der in „ehrlicher sittlicher Empörung sich bei der Wahl der Mittel vergriffen“, aber eben doch nur ein „Volksurteil“ vollstreckt habe. „Wenn irgend jemand, so hat er durch diese Gesetzestreue, die zugleich eine Tat praktischer Jugendfürsorge war, das Ehrenzeichen der Republik verdient.“ Der Prozess gegen Rothstock im Herbst wurde zu einem Verfahren gegen den Ermordeten. Obwohl schuldig gesprochen, wurde Rathstock nach „Steinhof“ eingewiesen, von wo er nach nur eineinhalb Jahren als freier, „geheilter“ und wohlhabender Mensch entlassen wurde, da sein Rechtsanwalt, der Gründer der NSDAP in Wien, Walter Riehl, für ihn eine Spendesammlung organisiert hatte. Auf Grund seiner Verdienste konnte er später innerhalb nationalsozialistischer Organisationen Karriere machen.
Zum Gedenken an den Schriftsteller wurde am 18. Juni 2002 an Bettauers Wohnhaus in Wien, Lange Gasse 21, eine Gedenktafel enthüllt.
Von den Werken Bettauers erschienen u.a: Faustrecht (Kriminalroman, 1919), Hemmungslos (Kriminalroman, 1920), Die drei Ehestunden der Elizabeth Lehndorff (Roman, 1921), Die Stadt ohne Juden (Roman, 1922; verfilmt), Der Kampf um Wien (Roman, 1923), Das entfesselte Wien (Roman, 1924), Die freudlose Gasse (Roman, 1924; 1925 verfilmt mit Greta Garbo), der Frauenmörder und der Kampf ums Glück (Roman, 1926).
© Thomas Eliser Schärf 2003