Rabbiner Salomon Friedmann z“tl (1875-1967)

Rabbiner Salomon Friedmann wurde am 18. April 1875 im burgenländischen Deutschkreutz als erster Sohn des bekannten Rabbiners David Friedmann, Vorsitzender des rabbinischen Gerichtes der bekannten Siebengemeinde, geboren.

Am 29. Mai 1901 heiratet er in Sauerbrunn die jüngste Tochter des Badener Rabbiners Wolf Kohn (1835-1913). Das junge Paar übersiedelt in weiterer Folge nach Baden, wo Salomon Friedmann seinem Schwiegervater in dessen Bethaus assistiert. 1902 und 1903 kommen in Baden die Töchter Betti bzw. Blanka geboren. 1904 übersiedelt Friedmann nach Bad Vöslau-Gainfarn, wo er die hiesige jüdische Gemeinde führt. 1909 Geburt des einzigen Sohnes David.

Nach dem Tod seines Schwiegervaters im Jahre 1913 folgt er diesem in dessen Rabbineramt am Herz´schen Bethaus nach und übersiedelt wiederum von Gainfarn nach Baden. Mit dem Titel eines Dajans und Rabbinatsassesors versehen wird er 1919 auch von der Israelitischen Cultusgemeinde Baden angestellt und zeichnet fürderhin für die Kaschruth, insbesondere die Haschgachah (rituelle Aufsicht), der Badener Kultusgemeinde verantwortlich. Ab dem Jahr 1925 bewohnt er mit seiner Frau eine Dienstwohnung im Gemeindehaus Vöslauerstrasse 31.

Nach dem Amtsantritt von Oberrabbiner Dr. Carlebach kommt es zunehmend zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen den beiden rabbinischen Persönlichkeiten, die 1938 in einer Amtsenthebung Dr. Carlebachs münden, welche aber von der Bezirkshauptmannschaft knapp vor dem Einmarsch der Nationalsozialisten aufgehoben wird.

Am 24. Oktober 1938 flüchtet Rabbiner Salomon Friedmann mit seiner Frau und den beiden Töchtern zunächst nach St. Gallen ehe er in den Chanukkatagen Antwerpen erreicht. In einem Vorwort zu einem in diesem Jahr verlegten Buches seines Schwiegervaters schildert er in ergreifender Weise seinen Weggang aus Baden: „Gepriesen sei der Schöpfer und erhoben der dem Müden Kraft gibt, und dem Ohnmächtigen verleiht er Heilung und Stärke, denn mein Herz war zerbrochen und niedergeschlagen über die Vernichtung meines Volkes, denn die Feinde G“ttes standen gegen uns auf und verbrannten unser Heiligtum und die Pergamente und Tafeln, die Freude unserer Augen, und ich war ebenfalls in Bedrängnis, denn sie verbreiten mich von meinem Anteil am Erbe G“ttes, vom Erbe der Väter, d.h. meinem Haus, dem Beth Knesseth und Beth Midrasch des Gaon, des weisen Benjamin Zeev Kohn, in der Stadt Baden bei Wien. Am Rosh Chodesch Cheschwan, in den Abendstunden vergossen meine Augen Tränen wie ein Bach über die heilige Erde meines Lehrhauses und meines Bethauses, denn ich war gezwungen zu fliehen, in großem Schrecken, aus der Stadt Baden, zu nachtschlafener Zeit, um Österreich in Eile zu verlassen.“

Nach dem Einmarsch der Deutschen in Belgien gelingt ihm erneut die Flucht in die Schweiz, wo seine Frau 1943 in St. Gallen verstirbt. Nach dem 2. Weltkrieg übersiedelt er mit seinen Töchtern nach Israel, wo er in Bnei Brak seinen Lebensabend verbringt, und am 23. Cheschwan 5727 (1967) im hohen Alter von 92 Jahren verstirbt.


© 2003 MMag. Thomas Eliser Schärf

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