Der
bekannte Schriftsteller, Dramatiker und Kabarettautor lebte die ersten
eineinhalb Jahre nach der Emigration der Familie aus der Ukraine - von Mai 1921
bis August 1922- in Baden und besaß hier bis zu seinem Tod im Jahre 1939 das
Heimatrecht. Das Bild zeigt ihn 1935.
Jura Soyfer wurde am 8. Dezember 1912 in Charkow, Ukraine, als zweites Kind des Ehepaares Wladimir und Ljubov Soyfer geboren. Die Familie lebt in großbürgerlichen Verhältnissen, bereits in jungen Jahren werden Juri und seine um fünf Jahre ältere Schwester in Französisch und Literatur unterwiesen. Aufgrund des Bürgerkriegs verlässt die Familie 1920 die Ukraine, bleibt einige Zeit in Konstantinopel und trifft schließlich im April 1921 in Wien ein. Bereits im Mai 1921 lassen sich Soyfers in Baden nieder und beziehen die Villa Strasserngasse Nr. 13. Im August 1923 übersiedelt die Familie nach Wien, wo Juri in das Bundesrealgymnasium in der Hagenmüllergasse eintritt. Bereits 1927 tritt er den Sozialistischen Mittelschülern bei und beginnt 1929 beim Politischen Kabarett der Sozialdemokraten. Nach ersten Publikationen im Jahre 1930 beginnt Soyfer nach seinem Abitur 1931 regelmäßig unter dem Namen "Jura" in der Arbeiterzeitung zu publizieren und setzt sich hier insbesondere mit dem Faschismus auseinander. Als im März 1933 das Parlament ausgeschaltet und im darauf folgenden Jahr die Arbeiterbewegung zerschlagen wird, ist er aktiver Teil des Widerstandes. Am 17. November 1937 schließlich wird Juri Soyfer wegen seiner politischen Betätigung verhaftet. Erst durch eine Generalamnestie gelangt Soyfer am 17. Februar 1938 wieder in Freiheit. Bereits einem Tag nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten versucht er in die Schweiz zu fliehen, wird dabei von österreichischen Zöllnern widerrechtlich verhaftet und nach Gefängnisaufenthalten in Bludenz, Feldkirch und Innsbruck schließlich in das Konzentrationslager Dachau überstellt. Hier schreibt er auch sein später vertontes "Dachau-Lied". Von Dachau aus wird Soyfer am 23. September 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Den Eltern und der Schwester Juri Soyfers schließlich gelingt die Flucht nach den USA, wo sie Anfang Februar 1939 eintreffen. Jura Soyfer verstirbt am 16. Februar 1939 im Konzentrationslager Buchenwald an Typhus. Seine für Wiener Kleinkunstbühnen verfassten satirischen Stücke und Szenefolgen richten sich vor allem gegen soziale Ungerechtigkeit und politischen Illusionismus, er galt als "Dichter der Armen".
Werke u.a.: Proletarische Weihnachtsfeier (1932), Silvesterfeier (1933/34), Weltuntergang (Drama, 1936); Der Lechner Edi schaut ins Paradies (Drama, 1936), Astoria (Drama, 1937), Vineta (Drama, 1937), Broadwaymelodie 1492, Dachau-Lied (1938)
![]() Jura Soyfer mit junger Begleiterin vor dem Udinebrunnen im Badener Kurpark |
![]() Villa der Familie Soyfer, Strasserngasse 13 |