Villa Jellinek-Mercedes

Wienerstrasse 45

 

 

EmilJellinek, 1855-1918Auf dem Grundstück Wienerstrasse 39-45 ließ der bekannte Emil Jellinek (6.4.1853 Leipzig - 21.1.1918 Genf) eine Villa erbauen, von der heute noch ein Seitentrakt erhalten ist. Er war der Sohn des Wiener Predigers Rabbiner Dr. Adolf Jellinek (1821-1893). Seine Brüder sind der bekannte Sprachwissenschafter Dr. Max Hermann Jellinek (1868-1938) sowie der Staatsrechtslehrer Dr. Georg Jellinek (1851-1911).

Nach schulischen Misserfolgen trat Emil Jellinek mit seinem 17. Lebensjahr als Beamter bei der Nordwest-Bahn Rot-Kostelec seinen Dienst an. Zwei Jahre später quittierte er seinen Dienst und man schickte ihn nach Frankreich von wo aus er durch den Ungarischen Konsul nach Tanger berufen wurde. Dort baut er einen erfolgreichen Handel mit nordafrikanischen Landesprodukten auf .

Nach kurzer Rückkehr nach Wien im Jahre 1881 zieht es Jellinek wieder nach Algier, wo er in Oran seine erste Frau Rachel, geb. Goggmann (1854-1893) kennenlernt.

1889 wird Jellineks Tochter Mercedes geboren.

Nach dem Tod seiner ersten Frau ehelichte Jellinek Anais Engler. Dieser Ehe entstammen die Kinder Didier, Guy (er maturierte 1921 am Badener Gymnasium), René and Andrée (Maja).

Emil Jellinek, der in Nizza eine große Villa führte, betätigte sich ab 1898 auch zunehmend als Geschäftsmann, der die Daimler-Automobile insbesondere in den höchsten Kreisen der Gesellschaft propagiert und vertreibt.

Mercedes Jellinek 1889-1929Jellinek fordert von der DMG immer stärkere und schnellere Fahrzeuge und meldet diese auch zu Rennveranstaltungen. Der Name seiner Lieblingstochter "Mercedes", verehelichte Weigl (1889-1929) geht als Marke in die Automobilgeschichte ein: Bei einer Rennveranstaltung im Jahre 1900 meldet Emil Jellinek einen extra für ihn angefertigten Rennwagen der Daimler-Motoren-Gesellschaft unter dem Pseudonym "Mercedes" an. Der Name wird in weiterer Folge zur Produktbezeichnung, als Jellinek und die DMG eine Vereinbarung über den Vertrieb von Wagen und Motoren getroffen hatten. Dabei wird u. a. beschlossen, eine neue Motorform zu entwickeln, die den Namen "Daimler-Mercedes" führen solle. Der erste mit dem neuen Motor ausgerüstete Wagen, ein 35-PS-Rennwagen, wurde am 22. Dezember 1900 an Jellinek geliefert. Dieser erste "Mercedes", entwickelt von Wilhelm Maybach, dem Chefkonstrukteur der DMG, sorgte zu Beginn des Jahrhunderts für Furore.

Im Jahre 1903 ändert Emil Jellinek seinen Namen Familiennamen auf Jellinek-Mercedes.

Nach seiner Tochter Mercedes benannte Jellinek auch seine Badener Villa, die nach Erweiterungen 1938 über 50 Zimmer, 8 Badezimmer und 23 Toiletten verfügt haben soll.

1907 wird Jellinek österreichisch-ungarischer Generalkonsul und kurze Zeit später Konsul von Mexiko. Im Jahr 1909 zieht sich Jellinek aus dem Automobilgeschäft zurück, um sich seinen Aufgaben als Leiter des österreichisch-ungarischen Konsulats in Monaco voll widmen zu können. Er verstirbt 1918 in Genf. Er und seine erste Frau liegen in Nizza begraben.

Die Badener Villa ging aus steuerlichen Gründen schon vor dem Tode Jellineks, der sich bei Ausbruch des ersten Weltkrieges nach Genf zurückgezogen hatte, ins Eigentum seiner Kinder über. Von dem Anwesen blieb nach dem zweiten Weltkrieg nur der Garagentrakt erhalten, welcher in weiterer Folge als Tankstelle genutzt wurde. 1990 wurde der Trakt vollkommen restauriert und dienst seither als Wohnhaus.


© 2003 MMag. Thomas Eliser Schärf

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